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So kommen Sie zu neuen Ideen

Wendelin Niederberger ist Unternehmens-Entwickler und begleitet Firmen sowie Privatpersonen zur Visionsfindung.
Wendelin Niederberger (WN)
 

Hans-Peter Zimmermann ist Managementtrainer und Autor mehrerer Wirtschaftsbestseller.
Hans-Peter Zimmermann (HPZ)

Harvey S. Firestone sagte einmal: "Gedanken, nicht Geld, sind das echte Geschäftskapital." In ihrer Internet-Diskussion verraten Ihnen Wendelin Niederberger und Hans-Peter Zimmermann, wie sie es schaffen, immer wieder neue Ideen zu finden und sich von der grossen Masse in wohltuender Weise abzuheben. Nachahmung gestattet.

HPZ: "Turbotools für Ihre Ideen" heisst das Thema. Wie wollen wir das gliedern?
WN:

Ich würde sagen:

a) Ideenfindung allein
b) Ideenfindung im Team
c) Hilfsmittel zur Ideenfindung

HPZ: Klingt gut. Mal sehen, ob wir es schaffen, etwas Struktur in den Brei zu bringen. Das grösste Turbowerkzeug ist natürlich unser Gehirn. Hast du eine Gebrauchsanleitung dazu?
WN: Ideen können nur entstehen, wenn der Zugang zur Intuition sichergestellt ist. Das ist die Grundlage.
HPZ: Das bedeutet, regelmässige Entspannung. Das begreifen jedoch viele Linkshirner in Nadelstreifen immer noch nicht.
WN: Da hast du recht. Gerade gestern hatte ich wieder ein Gespräch mit einem Unternehmer, der nur an das glaubt, was er auch sehen kann. Da bringt es nicht viel, wenn man über diese Themen zu sprechen beginnt.
HPZ: Wenn einer nur glaubt, was er sieht, weshalb bezahlt er dann seine Stromrechnung? ;-)
Dabei ist es vermutlich selbst besagtem Unternehmer schon so ergangen, dass er einen Bewerber mit guten Zeugnissen vor sich hatte, aber intuitiv gegen ihn entschied…
WN: …oder auch umgekehrt. Es gibt übrigens viele, die haben das echt gecheckt mit der Intuition.
HPZ: Ja, es tut sich schon was. Man macht sich nicht mehr überall lächerlich, wenn man von intuitivem Management spricht.
Dabei wäre alles so einfach. In meinem Managementseminar machen wir eine kleine Entspannungsübung. Dann nimmt jeder einen Notizblock und schreibt sein grösstes Problem auf. Nun schreibt jeder auf, was ihm einfällt. Die Mehrheit der Teilnehmer ist erstaunt. Sie sagen "da habe ich wochenlang an diesem Problem herumgekaut, dabei liegt die Lösung in der Luft".
WN: Die besten Einfälle habe ich immer dann, wenn ich in einem entspannten Zustand bin, zum Beispiel vor und nach den Schlafphasen. Ich gebe regelmässig am Abend eine "Bestellung" auf. In der entspannten Phase vor dem Aufwachen oder bei meinem Morgenspaziergang in der Natur ist die Idee dann meistens da.
HPZ: Für die Skeptiker unter den ORGANISATOR-Lesern möchte ich hier nur erwähnen, dass die Hirnforscher längst nachgewiesen haben, dass die kreative Seite des Gehirns mehr Aktivitäten entwickelt, wenn der Mensch in entspanntem Zustand ist.
WN: Wie kommst du eigentlich auf deine Ideen? Ich staune immer wieder, was dir alles einfällt.
HPZ: Wenn ich für mich eine Idee finden muss, gehe ich gerne eine Zeitlang damit schwanger.
WN: Klingt interessant. Was meinst Du damit?
HPZ: Schwanger gehen heisst, einfach wissen, dass man dann irgendwann einmal eine Idee braucht, ohne sich bewusst darum zu kümmern. Und jedesmal, wenn einem ein Gedankenfetzen zu diesem Thema kommt, wird er irgendwo aufgeschrieben. Wenn es dann konkret wird, hole ich alle Zettel und tippe sie in mein bevorzugtes Macprogramm "More". Dort werden die Ideen strukturiert, geordnet und ergänzt.
WN: Das Programm kenne ich. Es ist wirklich genial. So strukturiere ich auch komplexe Abläufe.
HPZ: Bei DOS gab es früher etwas Ähnliches. ThinkTank hiess es. Bezeichnenderweise werden beide Programme seit mehreren Jahren nicht weiterentwickelt.
WN: Trotzdem glaube ich, dass vorher eine andere Bedingung erfüllt werden muss, um immer wieder neue Ideen zu finden. Wenn ich nur in Problemen wühle, kann ich einfach nicht kreativ sein.
HPZ: Ja, das mit der Entspannung ist wichtig. Die besten Ideen habe ich immer dann, wenn ich sage "Heute mache ich mal nichts!"
WN: Wenn man etwas aus dem Ärmel schütteln will, muss man ihn zuerst füllen. Wie füllst du ihn?
HPZ: Ich lese mindestens drei Bücher pro Woche und besuche regelmässig Seminare. Wenn ein Seminar auch nur eine einzige gute Idee enthält oder bewirkt, dass ich auf eine gute Idee komme, hat es sich schon gelohnt.
WN: Darum habe auch ich schon seit über 20 Jahren die eiserne Grundregel, mindestens zwei Wochen im Jahr fest für Weiterbildung zu reservieren.
HPZ: Etwas, was der Ideenfindung allerdings schadet, ist Zeitunglesen. Zeitungen wärmen nur das auf, was schon geschehen ist. Sie sind alles andere als kreativ. Der ORGANISATOR natürlich ausgenommen ;-)
WN: Da hast du recht. Anthony Robbins sagt ja: Finde heraus, was die armen Leute lesen und lass die Finger davon.
HPZ: Genau. Und arme Leute lesen zum Beispiel das Wall Street Journal.
WN: Warum sind die arm? Das verstehe ich nicht.
HPZ: Sind das nicht Arme, die im Flugzeug in der ersten Klasse sitzen und lesen, während der Grand Canyon im Abendlicht unter ihren Augen vorbeizieht? Anstatt dass sie diese Situation für die Ideenfindung nutzen würden. Sie lechzt ja geradezu danach!
WN: Ach, so meinst du das. Ich habe schon gedacht, du verwechselst Reichtum mit Geld ;-)
HPZ: Nachher engagieren sie eine teure Creative Agentur und versuchen, irgendwo am überfüllten Schreibtisch auf neue Ideen zu kommen.
WN: Dabei könnte man das Potential im Unternehmen endlich einmal ein bisschen fördern.
HPZ: Genau, und damit sind wir bei deinem Spezialthema. Wie förderst du die Ideenfindung im Team?
WN: In meinen Visionsfindungs-Seminaren gehe ich nach einem Dreipunkte-Programm vor:

1. Kommunikationsstruktur
2. MAN-Abbau
3. Pfadi Codes

HPZ: Klingt ja wieder extrem geheimnisvoll. Bitte erklären!
WN: Kommunikationsstruktur heisst, die Kommunikation im Unternehmen muss funktionieren, und zwar nicht nur von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben.
HPZ: Du meinst, die Chefs sollten 24 Stunden am Tag für Plaudereien zur Verfügung stehen?
WN: Nein, Gott bewahre! Aber einmal im Monat sollte man eine Art Kreativitäts-Anlass durchführen ohne feste Traktanden. Im Hotel Römerturm haben wir das seinerzeit "DreamTeam FunShop" genannt. Wir kamen einfach zusammen und erzählten einander unsere Ideen.
HPZ: Besteht da nicht die Gefahr auf Leerlauf?
WN: Nein. Wenn du von 20 Ideen nur eine umsetzt, bist du der Konkurrenz meilenweit voraus, und die drei Stunden Träumen haben sich gelohnt.
So sind wir beispielsweise auf die Idee mit der Glacékarte auf Ballons gekommen.
HPZ: Glacékarte auf Ballons? Wie ging das?
WN: Wir fanden die 0815-Karten der anderen Restaurants stinklangweilig. Eine Mitarbeiterin kam auf die Idee, man könnte Ballons bedrucken. Das Ganze verbanden wir mit einem Ballonwettbewerb. Die Presse hatte was zu schreiben, und der Glacé-Umsatz schoss in die Höhe.
HPZ: Cool! Aber in den meisten Betrieben würde so eine Idee im Keim erstickt.
WN: Genau. Deswegen Punkt 2: MAN-Abbau.
HPZ: Erklären!
WN: MAN heissen doch diese grossen Lastwagen. Kaum hat ein kleines Ideenpflänzchen das Licht der Welt erblickt, kommen schon die Chefs und die lieben Kollegen und schütten das Ganze mit Dreck zu: "In unserer Branche geht das nicht!" "Das gibt viel zu viel zu tun!" "Das bezahlt sowieso kein Mensch". Diese Ideen-Killerei muss abgebaut werden.
HPZ: Und wie machst du das?
WN: In den Betrieben, die ich berate, gilt die Regel: Für jede Idee, die jemand äussert, müssen die anderen mindestens zehn Möglichkeiten liefern, wie die Idee in die Tat umgesetzt werden kann.
HPZ: Wenn überall auf diese Art gearbeitet würde, hätten wir nicht so mit dem Mittelmass zu kämpfen wie das jetzt der Fall ist. Vor fünf Tagen bin ich mit der Swissair von Zürich nach Los Angeles zurückgekehrt. Ich bezahle 5000 Franken für diesen Flug und habe jedesmal das Gefühl, ich müsste die armen Flight Attendants aufmuntern.
WN: Schau dir doch nur den Swissair-Boss an, dann weisst du, was es energiemässig geschlagen hat. Auch wenn der ein paar kluge Marketingentscheide getroffen hat: Die Swissair braucht eine Energiespritze!
HPZ: Wollen wir eine neue Airline gründen?
WN: Sofort! Ich habe auch schon einen Namen: Energy Air.
HPZ: For people who want to fligh higher! Eine, wo die Leute sich um den Flug bewerben müssen?
WN: Wo während des Fluges Seminare stattfinden…
HPZ: …und die Financial Times nur als WC-Papier benutzt werden darf...
WN: …und jeder Sitz über einen eingebauten Flugsimulator verfügt...
HPZ: …man ist mit allen per Du…
WN: …und wechselt jede Stunde einmal den Platz…
HPZ: …Kameras rund um das Flugzeug sorgen dafür, dass man immer eine Rundumsicht geniesst…
WN: …wenn einer ein Problem hat, kann er es in sein Computersystem tippen, und alle anderen helfen ihm, eine Lösung zu finden…
HPZ: …zu essen gibt es vor allem frische Salate…
WN: Merkst du was?
HPZ: Ja, so ein energiegeladenes Kribbeln im Bauch.
WN: Wir stecken mitten in einem Ideenfindungs-Prozess.
HPZ: Falls der Sabena-Boss das liest, hat er sicher längst "Halt" geschrien.
WN: Ist doch eigentlich tragisch, dass solche Figuren am Ruder sind, die sich ihre Kreativität tagtäglich von dicken Zigarren vernebeln und mit schwerem Wein betäuben lassen.
HPZ: Tja, das ist eben "the spirit of success". Aber wir sollten langsam zum Punkt 3 kommen. "Pfadi Codes", was meinst du damit?
WN: Bei den Pfadfindern gibt es doch so eine Geheimsprache. Genau so etwas haben auch kreative Unternehmen. Sie nennen ihre Sitzungen zum Beispiel nicht "Kaderbesprechung", weil in diesem Wort zu wenig Energie steckt.
HPZ: "Kaderbesprechung" klingt etwa wie "Kadaverentsorgung" ;-)
   
 

Was sind Emoticons?

Die Gesprächspartner in diesem Beitrag verwenden gelegentlich Zeichen, die Internet-ungewohnte Leser auf Anhieb nicht verstehen. Hier die Erklärung: Im Internet hat sich - wohl mangels Blickkontakt - eine Zusatzsprache entwickelt, die sogenannten Emoticons. Sie werden als eine Art Sprachverstärker, gelegentlich auch Entschärfer eingesetzt. Sie lassen sich erkennen, indem man sie um 90 Grad gedreht anschaut.
Beispiele für die Emoticons (auch Smileys genannt)

:-) Standard Smiley (Lächeln)
:-( Unglücklicher Smiley
:-C Wirklich unglücklicher Smiley
;-) Zwinkernder Smiley
[:-) Smiley mit Walkman
:-b Streckt Zunge heraus
1-O Gähnender Smiley
[ ] Umarmung
I-J Benutzer schläft

   
WN: Genau. Eine Firma, die ich kenne, nennt ihre tägliche Informationssitzung "Daily Kick" und ihre monatliche Kreativitäts-Sitzung "Dream Show".
HPZ: Und das macht kreativer?
WN: Das allein natürlich nicht. Aber an einer Dream Show traust du dich nicht so rasch zu sagen "das geht nicht". Und während manch einer gerne eine Sitzung schwänzt, wird er auf den täglichen "Kick" nicht verzichten wollen.
HPZ:

Ich habe schon immer gesagt, man sollte auf sein Vokabular achten. Wer beispielsweise das Wort "langweilig" aus seinem Wortschatz streicht, dem ist es nie wieder langweilig.

WN: Genau. Deshalb frage ich immer nach, wenn jemand vom "Konkurrenzkampf" oder von der "Rezen… Rezession" spricht. Ich weiss nicht, was das ist.
HPZ: Du meinst "Reception" ;-)
WN: Ich sage ja, ich weiss nicht mal, wie man das schreibt.
HPZ: Tröste dich. Es wird mindestens einen Leser geben, der uns eine Abhandlung darüber liefern kann.
WN: ORGANISATOR-Leser? Hoffentlich nicht!
   

Wenn Sie mehr wissen möchten:

Buchen Sie eine Teilnahme am Workshop "Der Weg zum visionären Unternehmen" oder vereinbaren Sie einen Termin zur Messung der Visionären-Unternehmens-Energie (VUE) mit Wendelin Niederberger für das Team-Visions-Seminar: "Durchbruch zum Erfolg"

 
     
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