| HPZ: |
"Turbotools für
Ihre Ideen" heisst das Thema. Wie wollen wir das gliedern?
|
| WN: |
Ich würde sagen:
a) Ideenfindung allein
b) Ideenfindung im Team
c) Hilfsmittel zur Ideenfindung
|
| HPZ:
|
Klingt gut. Mal sehen, ob wir
es schaffen, etwas Struktur in den Brei zu bringen. Das grösste
Turbowerkzeug ist natürlich unser Gehirn. Hast du eine Gebrauchsanleitung
dazu? |
| WN: |
Ideen können nur entstehen,
wenn der Zugang zur Intuition sichergestellt ist. Das ist die Grundlage. |
| HPZ:
|
Das bedeutet, regelmässige
Entspannung. Das begreifen jedoch viele Linkshirner in Nadelstreifen
immer noch nicht. |
| WN: |
Da hast du recht. Gerade gestern
hatte ich wieder ein Gespräch mit einem Unternehmer, der nur
an das glaubt, was er auch sehen kann. Da bringt es nicht viel, wenn
man über diese Themen zu sprechen beginnt. |
| HPZ:
|
Wenn einer nur glaubt, was
er sieht, weshalb bezahlt er dann seine Stromrechnung? ;-)
Dabei ist es vermutlich selbst besagtem Unternehmer schon so ergangen,
dass er einen Bewerber mit guten Zeugnissen vor sich hatte, aber intuitiv
gegen ihn entschied
|
| WN: |
oder auch umgekehrt.
Es gibt übrigens viele, die haben das echt gecheckt mit der Intuition. |
| HPZ:
|
Ja, es tut sich schon was.
Man macht sich nicht mehr überall lächerlich, wenn man von
intuitivem Management spricht.
Dabei wäre alles so einfach. In meinem
Managementseminar machen wir eine kleine Entspannungsübung. Dann
nimmt jeder einen Notizblock und schreibt sein grösstes Problem
auf. Nun schreibt jeder auf, was ihm einfällt. Die Mehrheit der
Teilnehmer ist erstaunt. Sie sagen "da habe ich wochenlang an
diesem Problem herumgekaut, dabei liegt die Lösung in der Luft".
|
| WN: |
Die besten Einfälle habe
ich immer dann, wenn ich in einem entspannten Zustand bin, zum Beispiel
vor und nach den Schlafphasen. Ich gebe regelmässig am Abend
eine "Bestellung" auf. In der entspannten Phase vor dem
Aufwachen oder bei meinem Morgenspaziergang in der Natur ist die Idee
dann meistens da. |
| HPZ:
|
Für die Skeptiker unter
den ORGANISATOR-Lesern möchte ich hier nur erwähnen, dass
die Hirnforscher längst nachgewiesen haben, dass die kreative
Seite des Gehirns mehr Aktivitäten entwickelt, wenn der Mensch
in entspanntem Zustand ist. |
| WN: |
Wie kommst du eigentlich auf
deine Ideen? Ich staune immer wieder, was dir alles einfällt. |
| HPZ:
|
Wenn ich für mich eine
Idee finden muss, gehe ich gerne eine Zeitlang damit schwanger. |
| WN: |
Klingt interessant. Was meinst
Du damit? |
| HPZ:
|
Schwanger gehen heisst, einfach
wissen, dass man dann irgendwann einmal eine Idee braucht, ohne sich
bewusst darum zu kümmern. Und jedesmal, wenn einem ein Gedankenfetzen
zu diesem Thema kommt, wird er irgendwo aufgeschrieben. Wenn es dann
konkret wird, hole ich alle Zettel und tippe sie in mein bevorzugtes
Macprogramm "More". Dort werden die Ideen strukturiert,
geordnet und ergänzt. |
| WN: |
Das Programm kenne ich. Es
ist wirklich genial. So strukturiere ich auch komplexe Abläufe. |
| HPZ:
|
Bei DOS gab es früher
etwas Ähnliches. ThinkTank hiess es. Bezeichnenderweise werden
beide Programme seit mehreren Jahren nicht weiterentwickelt. |
| WN: |
Trotzdem glaube ich, dass vorher
eine andere Bedingung erfüllt werden muss, um immer wieder neue
Ideen zu finden. Wenn ich nur in Problemen wühle, kann ich einfach
nicht kreativ sein. |
| HPZ:
|
Ja, das mit der Entspannung
ist wichtig. Die besten Ideen habe ich immer dann, wenn ich sage "Heute
mache ich mal nichts!" |
| WN: |
Wenn man etwas aus dem Ärmel
schütteln will, muss man ihn zuerst füllen. Wie füllst
du ihn? |
| HPZ:
|
Ich lese mindestens drei Bücher
pro Woche und besuche regelmässig Seminare. Wenn ein Seminar
auch nur eine einzige gute Idee enthält oder bewirkt, dass ich
auf eine gute Idee komme, hat es sich schon gelohnt. |
| WN: |
Darum habe auch ich schon seit
über 20 Jahren die eiserne Grundregel, mindestens zwei Wochen
im Jahr fest für Weiterbildung zu reservieren. |
| HPZ:
|
Etwas, was der Ideenfindung
allerdings schadet, ist Zeitunglesen. Zeitungen wärmen nur das
auf, was schon geschehen ist. Sie sind alles andere als kreativ. Der
ORGANISATOR natürlich ausgenommen ;-) |
| WN: |
Da hast du recht. Anthony Robbins
sagt ja: Finde heraus, was die armen Leute lesen und lass die Finger
davon. |
| HPZ:
|
Genau. Und arme Leute lesen
zum Beispiel das Wall Street Journal. |
| WN: |
Warum sind die arm? Das verstehe
ich nicht. |
| HPZ:
|
Sind das nicht Arme, die im
Flugzeug in der ersten Klasse sitzen und lesen, während der Grand
Canyon im Abendlicht unter ihren Augen vorbeizieht? Anstatt dass sie
diese Situation für die Ideenfindung nutzen würden. Sie
lechzt ja geradezu danach! |
| WN: |
Ach, so meinst du das. Ich
habe schon gedacht, du verwechselst Reichtum mit Geld ;-) |
| HPZ:
|
Nachher engagieren sie eine
teure Creative Agentur und versuchen, irgendwo am überfüllten
Schreibtisch auf neue Ideen zu kommen. |
| WN: |
Dabei könnte man das Potential
im Unternehmen endlich einmal ein bisschen fördern. |
| HPZ:
|
Genau, und damit sind wir bei
deinem Spezialthema. Wie förderst du die Ideenfindung im Team? |
| WN: |
In meinen Visionsfindungs-Seminaren
gehe ich nach einem Dreipunkte-Programm vor:
1. Kommunikationsstruktur
2. MAN-Abbau
3. Pfadi Codes
|
| HPZ:
|
Klingt ja wieder extrem geheimnisvoll.
Bitte erklären! |
| WN: |
Kommunikationsstruktur heisst,
die Kommunikation im Unternehmen muss funktionieren, und zwar nicht
nur von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben. |
| HPZ:
|
Du meinst, die Chefs sollten
24 Stunden am Tag für Plaudereien zur Verfügung stehen? |
| WN: |
Nein, Gott bewahre! Aber einmal
im Monat sollte man eine Art Kreativitäts-Anlass durchführen
ohne feste Traktanden. Im Hotel Römerturm haben wir das seinerzeit
"DreamTeam FunShop" genannt. Wir kamen einfach zusammen
und erzählten einander unsere Ideen. |
| HPZ:
|
Besteht da nicht die Gefahr
auf Leerlauf? |
| WN: |
Nein. Wenn du von 20 Ideen
nur eine umsetzt, bist du der Konkurrenz meilenweit voraus, und die
drei Stunden Träumen haben sich gelohnt.
So sind wir beispielsweise auf die Idee mit der Glacékarte
auf Ballons gekommen. |
| HPZ:
|
Glacékarte auf Ballons?
Wie ging das? |
| WN: |
Wir fanden die 0815-Karten
der anderen Restaurants stinklangweilig. Eine Mitarbeiterin kam auf
die Idee, man könnte Ballons bedrucken. Das Ganze verbanden wir
mit einem Ballonwettbewerb. Die Presse hatte was zu schreiben, und
der Glacé-Umsatz schoss in die Höhe. |
| HPZ:
|
Cool! Aber in den meisten Betrieben
würde so eine Idee im Keim erstickt. |
| WN: |
Genau. Deswegen Punkt 2: MAN-Abbau.
|
| HPZ:
|
Erklären! |
| WN: |
MAN heissen doch diese grossen
Lastwagen. Kaum hat ein kleines Ideenpflänzchen das Licht der
Welt erblickt, kommen schon die Chefs und die lieben Kollegen und
schütten das Ganze mit Dreck zu: "In unserer Branche geht
das nicht!" "Das gibt viel zu viel zu tun!" "Das
bezahlt sowieso kein Mensch". Diese Ideen-Killerei muss abgebaut
werden. |
| HPZ:
|
Und wie machst du das? |
| WN: |
In den Betrieben, die ich berate,
gilt die Regel: Für jede Idee, die jemand äussert, müssen
die anderen mindestens zehn Möglichkeiten liefern, wie die Idee
in die Tat umgesetzt werden kann. |
| HPZ:
|
Wenn überall auf diese
Art gearbeitet würde, hätten wir nicht so mit dem Mittelmass
zu kämpfen wie das jetzt der Fall ist. Vor fünf Tagen bin
ich mit der Swissair von Zürich nach Los Angeles zurückgekehrt.
Ich bezahle 5000 Franken für diesen Flug und habe jedesmal das
Gefühl, ich müsste die armen Flight Attendants aufmuntern. |
| WN: |
Schau dir doch nur den Swissair-Boss
an, dann weisst du, was es energiemässig geschlagen hat. Auch
wenn der ein paar kluge Marketingentscheide getroffen hat: Die Swissair
braucht eine Energiespritze! |
| HPZ:
|
Wollen wir eine neue Airline
gründen? |
| WN: |
Sofort! Ich habe auch schon
einen Namen: Energy Air. |
| HPZ:
|
For people who want to fligh
higher! Eine, wo die Leute sich um den Flug bewerben müssen? |
| WN: |
Wo während des Fluges
Seminare stattfinden
|
| HPZ:
|
und die Financial Times
nur als WC-Papier benutzt werden darf... |
| WN: |
und jeder Sitz über
einen eingebauten Flugsimulator verfügt... |
| HPZ:
|
man ist mit allen per
Du
|
| WN: |
und wechselt jede Stunde
einmal den Platz
|
| HPZ:
|
Kameras rund um das Flugzeug
sorgen dafür, dass man immer eine Rundumsicht geniesst
|
| WN: |
wenn einer ein Problem
hat, kann er es in sein Computersystem tippen, und alle anderen helfen
ihm, eine Lösung zu finden
|
| HPZ:
|
zu essen gibt es vor
allem frische Salate
|
| WN: |
Merkst du was? |
| HPZ:
|
Ja, so ein energiegeladenes
Kribbeln im Bauch. |
| WN: |
Wir stecken mitten in einem
Ideenfindungs-Prozess. |
| HPZ:
|
Falls der Sabena-Boss das liest,
hat er sicher längst "Halt" geschrien. |
| WN: |
Ist doch eigentlich tragisch,
dass solche Figuren am Ruder sind, die sich ihre Kreativität
tagtäglich von dicken Zigarren vernebeln und mit schwerem Wein
betäuben lassen. |
| HPZ: |
Tja, das ist eben "the
spirit of success". Aber wir sollten langsam zum Punkt 3 kommen.
"Pfadi Codes", was meinst du damit? |
| WN: |
Bei den Pfadfindern gibt es
doch so eine Geheimsprache. Genau so etwas haben auch kreative Unternehmen.
Sie nennen ihre Sitzungen zum Beispiel nicht "Kaderbesprechung",
weil in diesem Wort zu wenig Energie steckt. |
| HPZ: |
"Kaderbesprechung"
klingt etwa wie "Kadaverentsorgung" ;-) |
| |
|
| |
Was sind Emoticons?
Die Gesprächspartner in diesem Beitrag
verwenden gelegentlich Zeichen, die Internet-ungewohnte Leser auf
Anhieb nicht verstehen. Hier die Erklärung: Im Internet hat
sich - wohl mangels Blickkontakt - eine Zusatzsprache entwickelt,
die sogenannten Emoticons. Sie werden als eine Art Sprachverstärker,
gelegentlich auch Entschärfer eingesetzt. Sie lassen sich erkennen,
indem man sie um 90 Grad gedreht anschaut.
Beispiele für die Emoticons (auch Smileys genannt)
:-) Standard Smiley (Lächeln)
:-( Unglücklicher Smiley
:-C Wirklich unglücklicher Smiley
;-) Zwinkernder Smiley
[:-) Smiley mit Walkman
:-b Streckt Zunge heraus
1-O Gähnender Smiley
[ ] Umarmung
I-J Benutzer schläft
|
| |
|
| WN: |
Genau. Eine Firma, die ich
kenne, nennt ihre tägliche Informationssitzung "Daily Kick"
und ihre monatliche Kreativitäts-Sitzung "Dream Show". |
| HPZ: |
Und das macht kreativer? |
| WN: |
Das allein natürlich nicht.
Aber an einer Dream Show traust du dich nicht so rasch zu sagen "das
geht nicht". Und während manch einer gerne eine Sitzung
schwänzt, wird er auf den täglichen "Kick" nicht
verzichten wollen. |
| HPZ: |
Ich habe schon immer gesagt, man sollte
auf sein Vokabular achten. Wer beispielsweise das Wort "langweilig"
aus seinem Wortschatz streicht, dem ist es nie wieder langweilig.
|
| WN: |
Genau. Deshalb frage ich immer
nach, wenn jemand vom "Konkurrenzkampf" oder von der "Rezen
Rezession" spricht. Ich weiss nicht, was das ist. |
| HPZ: |
Du meinst "Reception"
;-) |
| WN: |
Ich sage ja, ich weiss nicht
mal, wie man das schreibt. |
| HPZ: |
Tröste dich. Es wird mindestens
einen Leser geben, der uns eine Abhandlung darüber liefern kann. |
| WN: |
ORGANISATOR-Leser? Hoffentlich
nicht! |
| |
|