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Aus ORGANISATOR 3/99
Wie Sie Ihre Firmen-Vision finden
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Autor: Wendelin Niederberger
(Unternehmens-Entwickler und begleitet Firmen sowie Privatpersonen
zur Visionsfindung. Tel +41 (0) 41 662 01 88, Fax +41 (0) 41 662 01
89,
info@wendelin-niederberger.ch) |
Studien belegen,
dass 70 Prozent der Mitarbeiter in den Unternehmen innerlich gekündigt
haben. Tendenz steigend. Von innerer Kündigung reden wir, wenn die
Identifikation mit dem Betrieb verloren gegangen ist. Man tut nur noch
soviel, um seinen Job nicht zu verlieren - mehr nicht. Macht jemand diesem
Mitarbeiter eine bessere Offerte, ist er weg. Es leuchtet ein, dass ein
solcher Betrieb nie die Energie hat, in seinem Fachgebiet zu den Besten
zu zählen. Und doch muss man den Mut aufbringen, sich genau dazu
zu entscheiden.
Der Geschäftsführer eines mittelgrossen
Unternehmens in der Stahlbranche mit etwas mehr als 40 Mitarbeitern entschliesst
sich, mit seinem ganzen Team für ein Wochenende in die Berge zu fahren.
Nicht etwa, um eine schöne Wanderung zu unternehmen, sondern um intensiv
zu arbeiten. Hundert Prozent der Belegschaft ist anwesend: Nicht nur die
Geschäftsleitung, sondern auch die Lehrlinge, die Maler, die Hilfsarbeiter,
ja sogar der Aussendienst nimmt vollzählig teil. Und dabei handelt
es sich nicht einmal um bezahlte Arbeitszeit. Jeder "opfert"
ein Wochenende. Wobei sich das Wort "Opfer" so lustig anhört,
dass ich später noch darauf zurückkommen werde.
Warum tun die das? Aus der Einladung war nichts Konkretes zu entnehmen.
Es hiess nur, man komme zusammen, um die eigene Firmenvision zu finden.
Es ist klar, dass die entsprechenden Sprüche in der Kantine nicht
ausbleiben. Logisch auch, dass sich manch einer gefragt hat, ob es jetzt
nicht bald an der Zeit sei, die Firma zu wechseln. "Was denen da
oben immer wieder einfällt. Langsam wird es zuviel!" Und natürlich
gab es auch solche, die der ganzen Sache positiv oder zumindest neutral
gegenüber standen.
Es erstaunt immer wieder, wie viele Firmen Mühe haben, ihr Team für
ein Wochenende zu verpflichten. Da zeigt sich ganz deutlich, wie gross
die Bereitschaft der Leute ist, sich tatsächlich in das Unternehmen
einzubringen und auch etwas mehr dafür zu tun.
Wollen Sie überleben
oder gewinnen?
Verlassen wir dieses Team nun für einen
Moment und lassen Sie mich ein paar Fragen stellen: Warum sind Sie selbständig
oder in einer leitenden Position? Warum haben Sie sich dazu entschieden,
mehr Verantwortung zu tragen? Warum tun Sie eigentlich diese Arbeit?
Ich weiss schon, was Sie jetzt sagen wollen. Aber genau diese Antworten
will ich jetzt nicht hören. Aussagen wie "Weil man etwas bewirken
möchte", oder "Weil man Freude hat, mit Menschen zu arbeiten"
sind nun nicht gefragt. Solche Statements hören sich zwar immer gut
an, bleiben aber meist Floskeln. Sagen Sie mir den wirklichen Grund: Sicher
wollen Sie Anerkennung. Sie möchten zu den Besten zählen. Sie
möchten mit Ihrem Unternehmen etwas Spezielles, etwas Einzigartiges
sein. Geben Sie es doch ruhig zu. Mir können Sie nichts vormachen.
Welche Alternative gibt es denn? Sie machen doch Ihre Arbeit nicht nur,
um zu überleben? Wenn es Ihr Ziel ist, mit Ihrer Arbeit zu überleben,
dann frage ich mich ernsthaft, wozu?
So werden Potenziale
genutzt
Wer sich mit seinem Unternehmen einfach
irgendwo im Mittelmass tummeln will, der braucht hier nicht weiterzulesen.
Betriebe mit mittelmässiger Leistung gibt es schon zuhauf. Da findet
auch der Konkurrenzkampf statt. Im "Mittelmass" wird der Preiskampf
geführt. Vergleichbare Leistungen zu einem vergleichbaren Preis ist
die Devise. Es wird sich immer jemand finden lassen, der es noch billiger
macht.
Wenn man soweit gekommen ist, dass der Preis das einzige Argument wird,
dann ist schon lange vorher einiges schief gelaufen. Und genau hier setzen
wir an. Mit einer gemeinsamen Vision entscheiden wir uns dafür, aus
unserem Unternehmen etwas ganz Besonderes zu machen. Und dazu brauchen
wir alle Potenziale, die im Mitarbeiterteam vorhanden sind. Die Frage
ist nur, wie wir es schaffen, diese Potenziale freizulegen.
Immer wieder höre ich von Arbeitgebern (Unternehmer würde ich
diese nicht nennen), dass die Leute nicht mehr bereit seien, Leistungen
zu erbringen. Alles Mumpitz! Es ist nämlich genau umgekehrt. Ich
habe noch nie einen Menschen getroffen, der nicht bereit war, alles zu
geben. Die Frage ist bloss, warum und wofür? Wenn ich mit Mitarbeitern
in diesen Betrieben rede, dann wissen diese meist haargenau, wo die Probleme
liegen. "Und warum sagen sie es dann nicht", werden Sie sich
jetzt zurecht fragen. Ganz einfach. Weil die meisten Chefs weder von den
Problemen hören, geschweige denn, sich damit beschäftigen wollen.
Eine Vision ist niemals auf die Zukunft
bezogen. Eine Vision, die nicht jetzt und heute gelebt werden kann, ist
keine Vision, sondern ein Ziel. Ziele sind messbare und noch nicht erreichte
Zustände in der Zukunft. Eine Vision ist nie messbar. Es ist ein
Gefühl, eine Energieform, die den Sog für die "gemeinsame
Sache" erzeugt und alle Beteiligten wie Arbeitgeber, Arbeitnehmer
und Kunden gewinnen lässt.
Wie Sie der Erfolgsfalle
entgehen
Es ist aber so - und für mich sogar
leicht erklärbar. Dazu ein Beispiel: Wie reagieren die meisten Menschen,
wenn man ihnen vorwirft, dass Sie etwas schlecht gemacht haben? Wie würden
Sie reagieren, wenn ich an Ihnen herumkritisiere? Sie werden ungehalten
und möchten sich rechtfertigen.
So reagieren die meisten Menschen. Das ist völlig normal. Und genau
so reagieren die meisten Chefs, wenn die Mitarbeiter die Finger auf die
wirklichen Wunden im Betrieb legen. Sagen Sie einmal einem Konzernchef,
dass er seine Arbeit nicht gut macht. Bestimmt wird er dafür nur
ein mitleidiges Lächeln übrig haben. Schliesslich muss er in
seinem Leben einige Dinge richtig gemacht haben. Sonst wäre er ja
nicht in dieser Position.
Logisch! Hier liegt die Krux. Wir Menschen glauben, weil wir uns hochgearbeitet
haben, unfehlbar zu werden. Zugegeben, das würde selbstverständlich
niemand so aussprechen. Die Resultate zeigen aber, dass genau hier das
Problem liegt. Und dies ist auch der Grund, warum die meisten Chefs nicht
hören wollen, wo die Probleme im Betrieb liegen. Und sich damit die
Chance vergeben, die brachliegenden Potenziale auch tatsächlich zu
nutzen.
In einem Team
gibt es keine "Opfer"
Und so wird das Spiel über Jahre hingezogen.
Eine Seite denkt von sich, sie sei unfehlbar und unersetzlich, und die
andere versucht, mit allen Mitteln so gut wie möglich abzuschneiden.
So wird denn auch von einem "Opfer" geredet, wenn mehr getan
werden sollte, als im "Tarifvertrag" vorgesehen ist.
In dieser Situation befinden sich viele Firmen. Einige mehr, andere weniger.
Wundern Sie sich noch, warum da wenig Begeisterung vorhanden ist? Oder
können Sie sich vorstellen, dass eine Firma mit dieser Denkhaltung
zum Kreis der Branchenbesten zählt? Wohl kaum! Die Kunden werden
die fehlende Begeisterung schon von weitem spüren und wegbleiben
oder die Situation durch Preisdruck ausnützen wollen. So ist das
eben.
Genau so habe ich schon viele Firmen gesehen, die gemeint haben, alles
sei bestens, und bei näherem betrachten kamen ganz überraschende
Dinge zum Vorschein. Es ist spannend zu beobachten, wie Menschen mit Leichtigkeit
die besten Qualitätssysteme und ISO-Normen austricksen. Wenn dies
geschieht, wird es gefährlich. Das Management denkt, jetzt sei alles
getan, und die Leute haben bereits einen Abwehrmechanismus eingeleitet.
Niemand merkt etwas oder nimmt es bewusst war.
Energieverschleiss
ist Vergangenheit
Wenn ich hier den Finger so stark auf alle
diese Wunden drücke, tue ich dies aus einem einfachen Grund: Die
Erfahrung zeigt, dass nicht offen miteinander geredet wird. Fehlende Ehrlichkeit
ist ein riesiger Energiefresser in den Betrieben. Es hängt wahrscheinlich
mit unserem Gesellschaftssystem zusammen. Das gleiche Problem haben ja
schliesslich auch viele Ehepartner. Stimmt doch! Es wird immer um den
Brei herum geredet. Dabei gehören die Probleme auf den Tisch gelegt.
Das ist der erste wichtige Schritt bei einem Visions-Prozess. Alles, was
irgendwo in einer Denkschublade unbearbeitet herumliegt, raubt uns Energie.
(Das wissen Psychologen schon seit Jahren.)
Bevor wir also mit unserem Team weitergehen wollen, muss über alles
geredet werden kännen. Es dürfen keine unbeantworteten Fragen
mehr vorhanden sein. Totale Offenheit und Transparenz sind gefragt. Dies
zu erreichen, ist gar nicht so einfach. Bewährt hat sich, in diesem
Prozess sämtliche Hierarchien aufzuheben. Wenn alle auf die gleiche
Ebene gestellt werden, redet es sich leichter. Damit baut sich ein Team
ein solides Fundament. Erst wenn diese Basis geschaffen ist, kann die
Vision darauf platziert werden. Ohne diese Grundlagenarbeit wird aus der
"Vision" sehr schnell eine "Illusion". Und dies nur,
weil der Boden nicht genug vorbereitet wurde.
Bis hierher war es doch gar nicht so schwierig. Wenn Sie dabei bleiben,
verrate ich Ihnen, wie Sie die Kreativität der Mitarbeiter ankurbeln
und zu einer sprudelnden Ideenquelle ausbauen.
Ideen sprudeln
lassen
Beim nächsten Schritt sollten Sie sämtliche
Logik und verstandesmässiges Denken ausschalten. Das würde uns
nur behindern. Jetzt sollten wir uns darin üben, die eigenen Grenzen
zu erkennen und diese bewusst zu überschreiten. Erlauben Sie sich,
völlig unvernünftige Dinge zu tun. Wie bitte? Sie haben Mühe
damit? Es macht riesig Spass, während ein paar Stunden nichts anderes
zu tun als zu spielen, malen, tanzen, lachen. Zieren Sie sich doch nicht
so! Es tut gut, wieder einmal zu spüren, dass man noch richtig Freude
haben kann.
Als wir kleine Kinder waren, ging es doch auch. Die Belohnung wird riesengross
sein. Wenn wir einzigartige Dinge im Team vollbringen wollen, dann müssen
wir auch andere Wege wählen, als wir es uns gewohnt sind. Sonst werden
nämlich immer nur die gleichen Resultate herauskommen wie bisher.
Wenn Sie mit den bisherigen Resultaten glücklich sind, dann brauchen
Sie nichts zu tun. Wenn nicht, dann war der Weg falsch. So einfach ist
das. Wenn Sie den Weg ändern, dann werden auch andere Resultate daraus
entstehen.
Was würden Sie alles tun, wenn Sie nicht darauf achten müssten,
ob es machbar, bezahlbar, umsetzbar oder realisierbar wäre? Klingt
das für Sie illusorisch? Zu abgehoben? Glauben Sie, die Glühlampe
wäre jemals erfunden worden, wenn Edison immer nur an das Machbare
und Umsetzbare gedacht hätte? Wer 1000 Ideen entwickeln kann, die
nicht umsetzbar sind, findet darunter garantiert einige Dinge, die es
sich lohnt, näher zu betrachten. Lernen Sie, mit Ihrem Team aus den
eigenen Grenzen auszubrechen. Was kann schon passieren? Nichts! Ausser,
dass man dabei sehr viel Spass haben kann. Und was soll daran schlecht
sein?
Verstand schafft
keine Visionen
Bevor wir dazu übergehen, wieder auf
unsere Logik und den Verstand zu bauen, begeben wir uns noch auf eine
Reise in unser Innerstes. Da, wo die Gefühle, Wünsche und Träume
vorhanden sind. Wir begeben uns im entspannten Zustand in die Welt der
Phantasie und Kreativität. Wir versuchen zu erfühlen, zu erspüren,
ja sogar zu sehen, wie das Unternehmen aussehen könnte. Alle diese
Bilder halten wir fest. Erst wenn wir dies getan haben, kommen wir zurück
und analysieren, was dabei herausgekommen ist. Damit uns der logische
Verstand hilft, diese Dinge auch umzusetzen. Sonst bleibt es eine Illusion.
Und das wollen wir ja vermeiden.
Ganz zum Schluss wird aus all diesen Bildern eine Zusammenfassung erstellt.
Dabei einigt man sich darüber, wie die "Essenz" dieser
Vision heissen könnte. Gesucht wird eine leicht merkbare und fassbare
"Verdichtung" all dieser Aussagen. Ich weiss, das alles hört
sich jetzt nicht so einfach an. Aber glauben Sie mir: Wenn Sie den Mut
aufbringen, ungewöhnliche Dinge mit Ihrem Team zu tun, dann werden
Sie auch den Mut haben, aussergewöhnliche Dinge Ihren Kunden anzubieten.
Sie werden einzigartig in allem was Sie tun und nach aussen darstellen.
So erlangen Sie "unübliche Marktpräsenz", wie es der
bekannte Unternehmensberater Hans von Bergen immer nannte. Dies verleiht
Ihrem Unternehmen die Energie, aus dem Mittelmass auszubrechen und konkurrenzlos
zu werden.
Energien freilegen
Mitarbeiter, die an der Entwicklung einer
Vision mitgearbeitet haben, kommen nicht mehr darum herum, mehr Verantwortung
übernehmen zu wollen. Wenn der Geist des Teams auf ein gemeinsames
Ziel gerichtet ist, dann wird die Vision bereits ab der ersten Minute
gelebt. Laufend werden neue Ideen entwickelt. Damit muss mancher Chef
zuerst umgehen lernen. Es gibt nicht sehr viele Menschen, die es aushalten,
nicht mehr für alle Details gefragt zu werden. Wenn man den Menschen
Vertrauen schenkt, heisst das auch loslassen. Darum ist eine visionäre
Firma immer im Entwicklungsprozess. Er hört nie auf und geht immer
weiter.
Wenn
Sie mehr wissen möchten:
Buchen Sie eine Teilnahme am Workshop "Der
Weg zum visionären Unternehmen" oder vereinbaren Sie einen
Termin zur Messung der Visionären-Unternehmens-Energie (VUE) mit
Wendelin Niederberger für das Team-Visions-Seminar: "Durchbruch
zum Erfolg" oder holen Sie sich die Unterlagen zum Seminar: "So
finde ich meine persönliche Lebens-Vision"
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